Eine Reise nach Prag als Auszeichnung zum Muttertag

Eines Tages, als unsere Mutter von der Arbeit nach Hause kam, sagte sie feierlich:”Ich bin heute ausgezeichnet worden. Für die besten Arbeitsleistungen. Es ist keine Geldprämie. Ich habe eine Reise als Auszeichnung bekommen-eine Reise nach Prag für zehn Tage.”

Nun fuhr der Bus mit der Mutter in Richtung Prag ab. Zuerst erholten wir uns ohne Mutter. Während Ulf, mein kleiner Bruder, auf dem Sofa herumsprang, saß Jutta, meine älter Schwester, im Wohnzimmer und las an einem Tag auf einmal ein dickes Buch durch-von Anfang bis zu Ende. Wenn ich vergaß, meine Schuhe zu putzen, schimpfte niemand darüber.

Dann kam der Vater nach Hause. So saßen wir alle beisammen im Wohnzimmer und sahen fern. Nun stand der Vater schnell auf und ging in die Küche. “Wo ist denn das Abendbrot ?-rief er. Jutta blieb am Fenster sitzen und antwortete auf Vaters Frage nicht.
Schließlich ist Abendbrotmachen Mädchensache, dachte ich und blieb sitzen. Nur Ulf lief zum Vater in die Küche:”Ich habe Hunger. Ich verhungere! Morgen früh bin ich bestimmt toot! to-o-t!”

Nun teilte Vater die Hausarbeit ein. Jutta musste einkaufen gehen und Ulf das Zimmer in Ordnung bringen. Ich sollte Kartoffeln schälen, die Schuhe der Familie putzen und mit Ulf Schularbeiten machen. Und zu meinen Kartoffeln sollte Jutta Gemüse und Fleisch kaufen.

Am nächsten Tag schälte ich nach der Schule Kartoffeln. Ich schälte und schälte…. Wie viele Kartoffeln musste man für eine Familie schälen? Besser ein paar mehr, als eine zu wenig-dachte ich und schälte weiter.

Jutta kam natürlich wieder spät. Sie warf ein Stück Fleisch zu meinen Kartoffeln. Als der Vater kam, schimpfte er, weil ich zu viele Kartoffeln geschält hatte. Dann schimpfte er auf Ulf, weil sein weißes Hemd ganz schmutzig war. Und Ulf schimpfte auf mich, weil ich ihm bei den Hausaufgaben nicht geholfen hatte. Vater schimpfte auf Jutta, weil sie kein Brot mitgebracht hatte.

Schließlich saßen wir wieder alle um den Küchentisch und aßen. “Jeden Abend Kartoffeln”, sagte Ulf weinerlich. “Wenn Mutti kommt, erzähle ich ihr doch alles.”
So vergingen bei uns die Tage. Wir brachten ein wenig mehr Ordnung in unsere Familie, aber Mutti fehlte uns doch in allem.
Eines Tages brachte Vater viele Blumen mit. “Morgen kommt Mutter!” lachte er.
Schon eine Stunde vor Ankunft des Busses standen wir am nächsten Tag da und warten.

Und da kam sie endlich. Wir waren glücklich. Wir wollten uns nicht noch einmal blamieren, und deshalb übten wir ein ganzes Jahr für den Fall, dass Mutter nächstes Jahr wieder eine Reise als Auszeichnung bekommt. Sie war doch die beste Arbeiterin in ihrem Betrieb. Wir lernten Kochen und waschen. Wir halfen beim Teppichklopfen und Saubermachen. Mutter lachte oft. Ich glaube, sie war einfach glücklich.
Ehrlich gesagt aber, träumten wir alle davon, dass Mutti nie mehr verreist.

1. Wofür bekam die Mutter als Auszeichnung eine Reise nach Prag?

Correct! Wrong!

2. Womit beschäftigte sich Jutta?

Correct! Wrong!

3. Warum war das Abendbrot nicht fertig?

Correct! Wrong!

4. Wie teilte der Vater die Hausarbeit ein?

Correct! Wrong!

5. Was übten die Kinder ein ganzes Jahr?

Correct! Wrong!

Eine Reise nach Prag als Auszeichnung zum Muttertag