Nur noch fünf Minuten

Jeden Morgen, zehn Minuten nach sieben, weckt mich meine Mutter. “Es ist Zeit,Junge. Du musst aufstehen. Hörst du? Schlaf nicht wieder ein. Ich muss jetzt zur Arbeit gehen.” Sie schließt die Tür hinter sich.

Ich gähne und drehe mich auf die andere Seite. Es ist so schön im Bett. Ich kann noch nicht aufstehen. “Gleich stehe ich auf,” denke ich jedesmal. “Nur noch fünf Minuten,fünf ganz kleine Minuten.” Meine fünf Minuten dauern meistens eine halbe Stunde.

Nun aber schnell. Wie die Feuerwehr fahre ich mit meinem Fahrrad zur Schule. Alle sind schon in der Klasse, manchmal auch der Lehrer. “Entschuldigen sie bitte,mein Fahrrad ist unterwegs kaputt,” sage ich. Herr Weiß, unser Klassenlehrer, sieht mich an. “Ausreden sind es,”sagt er mir.

Meine Mitschüler sehen mich auch an.”Du hast ein Wunderfahrrad,”sagt Bärbel in der Pause.”Ja,morgens ist es kaputt. Aber mittags,nach der Schule, fährst du wie ein Rennfahrer nach Hause,”sagt Klaus.

Am nächsten Morgen ist das Wetter grau, kühle und trübe.Nur noch fünf Minuten ,fünf kurze Minütchen….Da klopft es an der Tür.

Dort stehen Klaus und Bärbel. “Wir wollen dich abholen. Du darfst nicht wieder zu spät in die Schule kommen.” Mit der Geschwindigkeit einer Rakete ziehe ich mich an.
“Los, wir können starten.” Klaus fragt:”Wäschst du dich nicht?”
“Was denkst du denn!Ich bin kein Schwein,” sage ich.
“Und am Morgen wäschst du dich nicht?”fragt Bäbel.
“Wozu denn? Ich bin sauber. Im Bett staubt es nicht,”antworte ich.
“Und deine Zähne?Putzt du dir deine Zähne auch nur abends?”
“Klar,ich schlafe nachts nicht mit offenem Mund.” Ich nehmen meine Tasche.
“Du musste dich noch kämmen,” erinnert Klaus. “Nicht nötig,” antworte ich.
Bärbel macht große Augen. “Frühstückst du auch nicht ?”
“Doch, das mache ich auf dem Schulweg. Meine Mutter macht mir Butterbrote.”

An diesem Tag komme ich nicht spät in die Schule.